Wie kommen Pflegekinder zu ihrem Recht?

Wenn Kinder aus einer Familie herausgenommen werden, so müssen sich ambulante und teilstationäre Hilfen als nicht hinreichend bzw. erfolglos erwiesen haben, um in der Wahrnehmung des Wächteramtes des Staates diesen Eingriff in das Elternrecht zu vollziehen. Somit wird das Jugendamt dann tätig, wenn eine Kindeswohlgefährdung oder Schlimmeres geschehen ist oder droht. In der Praxis ist es so, dass Kinder oft schon über längere Zeit in Gefährdungssituationen gelebt haben, in hohem Maße in ihrer Entwicklung beeinträchtigt wurden und dies oft schon in frühem Alter. Man kann davon ausgehen, dass bis zu 70% der Pflegekinder mehr oder weniger stark traumatisiert sind. Das heißt, dass diese Kinder kaum in der Lage waren, Vertrauen in die Welt und die Menschen zu gewinnen, dass sie sich in lebensbedrohlichen Situationen befanden bzw. empfanden und kaum tragfähige Bindungen aufbauen konnten.

Demzufolge verhalten sie sich verstört und bindungslos. Man kann in der Regel nicht davon ausgehen, dass positive, Schutz gebende und entwicklungsfördernde Bindungen in der bisherigen Familie vermittelt wurden. In der Perspektiventwicklung setzt der Gesetzgeber zunächst auf die Rückkehr in die Herkunftsfamilie. Er macht dies jedoch abhängig von einer nachhaltigen Verbesserung der Erziehungssituation und von einer für das Kind vertretbaren Zeitperspektive. Dabei muss aufgrund des intensiven Bindungsbedürfnisses der Zeitraum für die Rückkehr des Kindes in die Ursprungsfamilie vor allem bei kleinen Kindern recht kurz sein. Experten sprechen von einem halben bis zu einem Jahr. In der Praxis zeigt sich, dass die Lage der Eltern oft so desolat ist, dass eine nachhaltige Verbesserung der Erziehungsbedingen in absehbarer Zeit kaum realisiert werden kann.  weiterlesen........

Top